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AN SEINEN SCHWAGER MICHAEL DIETRICH MICHAELSEN IN HALLE

London, 20. Februar 1719

 AN SEINEN SCHWAGER MICHAEL DIETRICH MICHAELSEN IN HALLE
An Herrn
Herrn Michael Dietrich Michaelsen,
Dr. jur. zu Halle in Sachsen.
London, den 20. Februar 1719

Mein sehr geehrter Herr Schwager!

Beurteilen Sie bitte nicht mein Verlangen Sie zu sehen nach der Verzögerung meiner Abreise. Ich bedauere sehr, daß ich hier zurückgehalten werde durch unaufschiebbare Angelegenheiten, von denen - ich wage es zu sagen - mein Glück abhängt, und die sich mehr verzögert haben, als ich glaubte. Wenn Sie den Kummer empfänden, den ich dadurch erleide, daß ich nicht das, was ich möchte, zur Ausführung bringen kann,sowürden Sie Nachsicht mit mir haben.Schliess-lich hoffe ich aber in einem Monat hier zum Ziele zu kommen, und Sie können damit rechnen, daß ich keinerlei Verzögerung verursachen und mich unverzüglich auf den Weg machen werde. Ich bitte Sie, mein lieber Schwager, der Mama dies zu versichern und ebenso meines Gehorsams. Vor allem lassen Sie mich noch einmal um Ihr Befinden wissen, um das der Mama und das Ihrer lieben Familie, um meine Unruhe und meine Ungeduld, die ich verspüre, zu verringern. Bedenken Sie, mein lieber Schwager, daß ich untröstlich wäre, wenn ich nicht die Hoffnung hätte, mich von dieser Verzögerung bald befreien zu können, um umso länger bei Ihnen bleiben zu können. Ich bin erstaunt, daß der Magdeburger Kaufmann noch nicht den Wechselbrief eingelöst hat; ich bitte Sie ihn bis zu meiner Ankunft aufzubewahren, er wird dann in Ordnung gehen. Ich habe die Nachricht bekommen, daß Etain bald Ihre Rechte wahrnehmen wird und ich schäme mich dieser Verzögerung ebenso sehr, wie der Tatsache, daß ich mein Versprechen nicht eher einlösen konnte. Ich flehe Sie an, diesen Vorfall zu entschuldigen und zu glauben, daß es mir trotz meiner Anstrengungen unmöglich war zu einem Erfolg zu kommen. Sie werden sich selber davon überzeugen, sobald ich die Ehre haben werde, es Ihnen selbst mündlich auseinanderzusetzen. Zweifeln Sie nicht daran, daß ich meine Reise beschleunigen werde; ich sehne mich mehr darnach Sie wiederzusehen, als Sie es glauben können. Ich danke Ihnen ergebenst für die Wünsche, die Sie mir anlässlich des Jahreswechsels zukommen Hessen. Ich wünsche meinerseits, daß der Allmächtige Sie und Ihre liebe Familie mit aller Art von Wohlstand überschütten möge, und durch seine unschätzbaren Segnungen die empfindsame Wunde, die es ihm gefallen hat, Ihnen zuzufügen und die mich in gleicher Weise getroffen hat, zu mildern. Sie können versichert sein, daß ich lebhaft immer das Andenken an Ihre Güte bewahren werde, die Sie für meine verstorbene Schwester gehabt haben, und daß die Gefühle meiner Dankbarkeit ebenso lange dauern werden, wie mein Leben. Haben Sie die Güte meine Empfehlungen an Herrn Roth und an alle guten Freunde auszurichten. Ich umarme Sie und Ihre ganze liebe Familie und bin mit unveränderlicher Liebe lebenslänglich

sehr geehrter Herr und Schwager
Ihr gehorsamster und ergebenster Diener
Georg Friedrich Händel.

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A Monsieur
Monsieur Michael Dietrich Michaelsen
Docteur en Droit, à Halle, en Saxe.
à Londres, ce 20 de Fevrier 1719

Monsieur
mon tres Honoré Frere,
Ne jugez pas, je Vous supplie, de mon envie de Vous voir par le retardement de mon depart, c'est à mon grand regret que je me vois arreté icy par des af faires indispensables et d'ou, j'ose dire, ma fortune depend, et les quelles ont trainé plus longtems que je n'avois crû. Si Vous scaviez la poine que j'eprouve, de ce que je n'ai pas pu mettre en execution ce que je desire si ardement Vous auriez de l‘ndulgence pour moy. mais a la fin j'espere en venir à bout dans un mois d'icy, et Vous pouvez conter que je ne ferai aucun delay, et que je me mettrai incessamment en chemin, Je Vous supplie, Mon tres Cher Frere d'en assurer la Mama et de mon obeissance, et faites moy surtout part encore une fois de Vôtre Etat, de celuy de la Mama, et de Vôtre Chere Familie, pour diminuer l'in-quietude et l'impatience dans la quelle je me trouve, Vous jugez bien, mon tres eher Frere, que je serois inconsolable si je n'avois pas l'esperance de me dedommager bientot de ce delay, en restant d'autant plus longtems avec Vous. Je suis etonné de ce que le Marchand a Magdebourg n'a pas encore satisfait à la lettre de Change, je Vous prie de la garder seulement, et à mon arrivée eile serà ajustée. J'ay recus avis que l'Etain serà bientôt achemine pour Vois endroits, je suis honteux de ce retardement aussi bien que de ce que je n'ai pas pu m'acquitter plus tôt de ma promesse, je Vous supplie de l'excuser et de croire que malgré tous mes effors il m'a été impossible de reussir, Vous en conviendrez Vous même lorsque j'aurai l'honneur de vous le dire de bouche. Vous ne devez pas douter que je ne haterai mon voyage: je languis plus que Vous ne scauriez Vous imaginer de Vous voir. Je Vous remercie tres humblement des voeux que Vous m'avez adresses à l'occasion du nouvel'an. Je souhaite de mon côté, que le Toutpuissant veuille Vous combler et Vôtre Chere Familie de toutes sortes de Prosperités, et d'addoucir par ses pretieuses benedictions la playe sensible qu'il Luy a plu de Vous faire essuyer, et qui m'a frappè egalement. Vous pouvez etre assuré que je conserverai toujours vivement le Souvenir des Bontés que Vous avez eues par feue mà Soeur, et que les sentimens de mà reconoissance dureront aussi longtems que mes jours. Ayez la bonté de faire bien mes Complimens à Mr. Rotth et a tous les bons Amis. Je Vous embrasse avec toute Votre Chere Familie, et suis avec une passion in-violable toute ma vie

Monsieur et tres Honoré Frere

Vôtre tres humble et tres obeissant Serviteur George Frideric Handel.