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Johann Christian Reil – „Der treue Arzt“ aus Goethes PROLOG

geb. 28.2.1759 Rhaude • gest. 22.11.1813 Halle/Saale

Reil war Stadtphysikus in Halle und Professor der Medizin an der Universität Halle und der Universität Berlin. Er war auch Leibarzt von Johann Wolfgang von Goethe.

Sein 1803 erschienenes Werk Rhapsodieen über die Anwendung der psychischen Kurmethode auf Geisteszerrüttungen gilt als der Beginn der naturwissenschaftlichen Psychiatrie (W. Janzarik 1974).

Zusammen mit Johann Christoph Hoffbauer (1766–1827) gab er 1808 und 1812 die Beyträge zur Beförderung einer Kurmethode heraus. Im ersten Band 1808 prägte Reil den Begriff der „Psychiaterie“, aus dem bald „Psychiatrie“ wurde.

Er wohnte zunächst in der Gr. Ulrichstr. 36, bekam 1808, da es Abwerbungsversuche von anderen Unis gab, Titel des Oberbergrats sowie den „spitzen Weinberg“ des Amtes Giebichenstein, wo er einen Park anlegen und eine Villa bauen läßt (Reilstr. 54), die 1806 fertig ist. Zuvor war der Reilsberg kahl, erst Reil hat ihn mit Hilfe eines anhaltischen Gärtners aus Wörlitz bepflanzen lassen (vor allem mit Flieder).

In seiner Eigenschaft als Amtsarzt um die Verbesserung der hygienischen Verhältnisse der Stadt bemüht, zugleich Bestrebung, Halle zum Kurort zu machen. Er erwirbt den Gesundbrunnen 1807, das 1. Bad errichtet er jedoch im Sommer 1809 (an der Mühlpforte bzw. im Fürstental), „eine Badeanstalt, die Lauchstädt legen soll; es wird eine Kirche zu einem Komödienhaus eingerichtet und die Truppe von Weimar kommt vielleicht hierher.“

Das sogenannte Reilsche Theater wurde 1811 dann in der Kirche des ehemaligen Barfüsserklosters auf dem heutigen Universitätsplatz eingerichtet.

Er betätigte sich als Ratgeber Wilhelm von Humboldts bei Universitätsgründung der Berliner Universität (1810) und war einer der ersten Ordinarien der Charité.

1813 verstarb Reil an Typhus, an dem er sich offenbar als leitender Arzt des Hospitals der Völkerschlacht bei Leipzig infiziert hatte.

Auf der Basis der Lehre Reils wurde Mitte des 19. Jahrhunderts die erste eigenständige Universitätsklinik für Psychatrie in Preußen gegründet - in Halle.

Nach ihm benannt sind u. a. der Reil’sche Finger („toter Finger“, vorübergehendes Absterben von 1 oder 2 Fingern infolge Gefäßverkrampfung) und die Reil’schen Linien, weiße Querstreifen auf den Fingernägeln nach hochfieberhaften Infektionskrankheiten.

In Halle (Saale) gibt es die Reilstraße mit Reildenkmal, das Reileck, den Reilshof, den Reilsberg mit Zoo und Reils Grab.