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PROLOG

Halle, den 6. August 1811.

Daß ich, mit bunten Kränzen reichlich ausgeschmückt,
Mit Blumen-Stab und -Krone, wie zum schönsten Fest
Vor Euch erscheine, drob verwundre Niemand sich!
Denn für den Guten bleibt es wohl das höchste Fest,
Wenn alte Schulden zu entrichten ihm gelingt,
Und wenn ihm dankbar sich zu zeigen endlich glückt.
Wie sind wir fröhlich, gegenwärtig hier am Ort
Vor Euch zu treten, Euch, die ihr so manches Mal
An ferner Stätte günstig uns zu suchen kamt,
Und nicht des Wegs Unbilden, nicht der Sonne Glut,
Nicht drohender Gewitter Schrecknis achtetet.
Da haben wir, was immer wir vermocht, getan,
Um Euer Zutraun zu erwidern, Eures Geists
Gereiften Beifall, Eurer Herzen Zartgefühl
Uns zu gewinnen, wie dem Dichter und der Kunst.

So kommen wir denn heute nicht als Bittende,
Mit bänglicher Erwartung, in ein fremdes Land,
Als Dankende begegnen wir Bekannten schon
Und Gönnern, Freunden, längst erprobter Neigung froh.
Auch, was wir bringen, ist Euch allen wohl bekannt:
Das Mannigfalt'ge vorzutragen ist uns Pflicht,
Damit ein Jeder finden möge was behage;
Was einfach, rein natürlich und gefällig wirkt,
Was allgemein zu jedem frohen Herzen spricht;
Doch auch das Possenhafte werde nicht verschmäht:
Der Haufe fordert, was der ernste Mann verzeiht.
Und diesen zu vergnügen sind wir auch bedacht:
Denn manches, was zu stiller Überlegung Euch,
Zu tiefrem Anteil rührend anlockt, bringen wir,
Entsprossen vaterländ'schem Boden, fremdem auch:
Anmutig Großes; dann das große Schreckliche.
So schaffet Mannigfaltigkeit die höchste Lust,
Beschäftigt leicht den Geist und Sinn Gebildeter,
Und bildet Jeden, den zum Urteil sie erregt.

Jedoch was sprech‚ ich schon Bekanntes wieder aus!
Verzeiht! So ist es: Wenn wir mit Wohlwollenden
Von Angesicht zu Angesicht uns finden, geht
Das Herz uns auf, die Rede fließt vom Munde leicht,
Und immer ist's als bliebe mehr zu sagen noch.
So möcht‚ ich auch der guten längst verehrten Stadt
Und ihren wohlgesinnten Bürgern Glück und Heil
Von Herzen wünschen; froh Gelingen jeder Tat
Und jedes Unternehmens, daß zu neuer Lust
Des neuen Herrschers wohl gedeihe dieses Volk!
Zwar vom Verdienst so manches weisen, tätigen
Und frommen Mannes, welcher standhaft hier gewirkt;
Von tausenden, die hier gebildet, Vaterland
Und Ausland so durch Lehre wie durch Tat beglückt;
Und vom Gewerbsinn vieler rüstig Schaffenden
Will ich nicht reden; aber was zum nächsten uns
Und eigentlich berühret, ja hieher beruft,
Das darf ich preisen: denn Ihr seid ja gleichen Sinns.

Entwallet nicht der Erde dort ein Wunderquell?
Und füllt geraume Becken mit erprobtem Naß,
Das bald verdampfend werte Gaben hinterläßt:
Die größte Gabe sag‚ ich wohl mit kühnem Wort,
Die allergrößte, welche Mutter Tellus beut!
Sie gibt uns Gold und Silber aus dem reichen Schoß,
Das aller Menschen Aug' und Herzen an sich zieht;
Sie reicht das Eisen allgemeinem Kunstgebrauch,
Das so zerstört als bauet, so verderbt als schützt;
Sie reicht uns tausend aber tausend andres Gut:
Doch über alles preis‚ ich den gekörnten Schnee,
Die erst' und letzte Würze jedes Wohlgeschmacks,
Das reine Salz, dem jede Tafel huldiget!

Denn wohl vergebens hatte Ceres ausgestreut
Zahllose Samen, endlos Frucht auf Frucht gehäuft;
Vergebens nährte tief im finstern Waldgebüsch
Der Herden Zucht Diana, wie im Blachgefild;
Vergebens hegten Amphitritens Nymphen weit
Im Ozean, in Flüssen, Bächen, bis zum Fels
Hinauf, Gewimmel leicht bewegter Wunderbrut;
Vergeblich senkte Phöbus lebensreichen Blick
Auf die Geschwader, die in Lüften hin und her
Und doch zuletzt dem Menschen in die Netze ziehn,
Dem klugen, allverzehrenden: denn wenig ist,
Was er dem Gaumen anzueignen nicht gelernt:
Doch wäre ganz vergeblich aller Götter Gunst,
Umsonst des Menschen vielgewandtes Tun, umsonst
Des Feuers Kraft das alle Speise zeitiget ˆ
Wenn jener Gabe Wohltat uns Natur versagt,
Die erst mit Anmut würzet, was die Notdurft heischt.
Und wie den Göttern wenig Weihrauch gnügen mag,
Zum frommen Opfer, also bleibt beim Tafelfest
Zuletzt des Salzes Krume, die man prüfend streut,
Ein trefflich Sinnbild dessen was begeistend wirkt,
Geselligkeit belebet, Freund und Freund bewährt.

Doch so viel Gutes reichlich auch Natur verliehn,
Des Menschen Geist verbessert's immer und erhöht's;
Was alles nur genossen ward und was genutzt,
Zu größerm Nutzen steigert er's, zu höh‚rem Zweck.

Ist nicht Gesundheit allen uns das höchste Gut?
Und werden wir von tausend Übeln nicht bedrängt?
So daß nach allen Seiten wir um Rettung flehn.
Drum Heil den Männern! deren tiefer, edler Sinn
Zum Wohl des Kranken jenen Quell bereitete,
Und klug erwägend neue Kräfte künstlich schafft;
Dabei auch Sorge väterlich und wirtlich hegt,
Notwend'gem gleich das Angenehme zugesellt:
Wie Ihr an diesem Saale mit Erheitrung seht,
Der schön verziert und allen uns gemächlich ist.
O werde das, was ernstlich sie getan und tun,
Von Jedermann mit offnem, warmem Dank erkannt!

Nun wend‚ ich mich an alle, die als Gäste hier
Mit Hoffnung sich der neuen Segensquelle nahn,
Und spreche nichts von allen frommen Wünschen aus,
Die sich in unsrem Herzen, wie Ihr sicher seid,
Für Euch bewegen, Jeglichem zu Glück und Heil;
Dies aber zeig‚ ich Euch vertraulich an, daß wir
Ganz eigentlich dem treuen Arzt zur Seite stehn:
Denn Geist und Körper innig sind sie ja verwandt;
Ist jener froh, gleich fühlt sich dieser frei und wohl,
Und manches Übel flüchtet vor der Heiterkeit.
Hier also, meine Freunde, hier an diesen Platz
Hat uns der Arzt zu seinem Beistand herbestellt,
Daß wer am Morgen badend seine Kur begann,
Sie Abends end'ge schauend hier nach Herzenslust.
Dies also bleibt die Vorschrift! diese merkt Euch wohl,
Und setzt nicht aus: das ist Beding bei jeder Kur,
Daß man ununterbrochen ernstlich sie gebraucht;
Und wißt! wir kennen Alle wohl; wer außenbleibt
Der wird verklagt, der hat es mit dem Arzt zu tun!
Nicht viele Worte mach‚ ich mehr! Ihr seht wohl ein:
Um Euer Heil aufs redlichste sind wir besorgt.

So laßt mich enden, und zum Schlusse, wie sich ziemt,
Den Männern uns empfehlen, die am Ruder stehn
Und deren Leitung, deren Schutz wir uns vertraun!